Entwicklung des Bremer Lautsprecher Orchesters

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Mit einigen Jahren Vorlauf entsteht 2013 das erste Bremer Lautsprecher Orchester. Das BLO bestand damals aus 120 Lautsprechern, die ein Stück Musik (zB von einer CD) in eine faszinierende Klanglandschaft verwandeln. Das Konzept entstand in Anlehnung an das legendäre Acousmonium, das Francois Bayle in den 70er Jahren erstmals in Paris präsentierte. Über 200 Lautsprecher können in Paaren einzeln angesteuert werden, aber auch als großer Orchesterapparat zum Einsatz kommen. Fliegende Wechsel, Raumdrehungen weit über die übliche Kino-Surround-Technik hinaus sind möglich und machen aus jeder Musik ein Hörspiel im Raum.


Die erste Version des BLO konnte über 42 Mischpultregler 60 einzelne Lautsprecher bzw. Lautsprechergruppen ansteuern. Anders als in Frankreich gab es in Bremen keine Institution, die den Aufbau eines Acousmoniums hätte finanzieren können. So entstand die Idee, die vielen Lautsprecher mit einer Sammelaktion aus privaten Haushalten zu rekrutieren. Wir konnten dazu als Partner die Bremer Entsorgungsbetriebe gewinnen. In nur einem Monat konnten über 200 Lautsprecher und 30 Heimversärker gesammelt werden, die noch voll funktionstauglich waren.


Zur Premiere 2013 in Bremen war der französiche Komponist und „Accousmonium-Fachmann" Denis Dufour zu Gast. Durch sein Knowhow konnte der Aufbau des BLO noch weiter verfeinert werden. Sein Urteil über das Orchester mit seinen Lautsprechern aus 4 Jahrzehnten Lautsprecher Bau, fiel begeistert aus: Der heutige Stand der Technik produziert deutlich gleich klingendere Lautsprecher, als die sehr unterschiedlich klingenden „Individualisten" aus den 70er und 80er Jahren.


In Kooperation mit den Berufbildenden Schulen Rotenburg entsteht 2015 auch eine Open Air Version des BLO, die am 27. Juni in der Bremer Innenstadt präsentiert wird. Neben der Uraufführung eines Stücks des Komponisten Christoph Ogiermann für Elektronik und Bläserensemble kamen auf dem Open Air BLO "klassische" elektronische Kompositionen zur Aufführung. Dieses „Rotenburger Lautsprecher Orchester" verarbeitet wieder Lautsprecher, die von privaten Haushalten entsorgt wurden. Diesmal hatten Berufsschüler der E-Techniker Klasse den Zusammenbau der Lautsprecher zu großen Säulen und Zimmermannslehrlinge den Aufbau der 4 Stellgerüste(je 2,50 Meter breit und 3,50 hoch) für die Lautsprechersäulen übernommen. Mit dem Transport und Aufbau waren 10 Schüler und 2 Lehrer den ganzen Tag beschäftigt. Die insgesamt 192 Lautsprecher wurden durch zwei Analog Mischpulte mit 70 Wegen angesteuert und waren in einem Quadrat von 10x10 Metern um das Publikum herum auf gebaut.


In der Folgezeit kamen einzelne Elemente des RoLO immer wieder zu kleineren Einsätzen, (zB. im Rahmen der Langen Nacht der Musik des netzwerks "Klangpol" mit einer etwa 120m langen Klangpassage auf der Bremer "Kulturmeile") ein Gesamtaufbau fand wegen des hohen Aufwandes längere Zeit nicht mehr statt. Erst im April 2018 anlässlich eines Konzertes im Rahmen der Bremer „Jazzahead" in Zusammenarbeit mit dem dem Mickiewicz Institut aus Warschau wurde das BLO wieder in seiner vollen Größe mit ca.200 Lautsprechern und 74 Mischpultwegen aufgebaut.


Dank etlicher Änderungen im Detail, ist es jetzt möglich den Aufbau mit 3 Personen an einem Tag zu bewerkstelligen. Das Kernstück bildet eine 8 Meter breite Lautsprecher Wand die zentral auf einer Bühne aufgebaut wird. Zusätzlich stehen an den Seiten, vor und hinter dem Publikum weitere Lautsprechersäulen und „Solisten". Zusammen mit professionellen Lautsprechern ergibt sich ein Klangkörper mit fast 200 Lautsprechern, der über zwei Digitalmischpulte und 60 Fader angesteuert wird. Ursprünglich sind die Vorstellungen „live" von Hand gefahren worden, in der jetzigen Konfiguration kann auch automatisiert und mit Scenenspeicher gearbeitet werden. Dadurch werden auch ohne längere Probenzeiten (bei neuen Räumen sonst unabdingbar) verlässliche Aufführungen möglich.